Bei dem Kalender handelt es sich um das erste "Werk", mit dem ich mich als Fotograf in der Öffentlichkeit präsentiere, abgesehen von Modeaufnahmen, die zu Werbezwecken entstanden sind. Realisierbar wurde das Projekt nur dadurch, daß Fotos, Layout, Druckvorstufe - eben die komplette Produktion außer dem eigentlichen Druck in meinen Händen lag.

Keine Frage: Fotos sind, wie alle Formen der Kunst und des kreativen Schaffens, Geschmacksache.
Es wäre anmaßend zu erwarten, daß meine Fotos jedem gefallen und ich will auch nicht von mir behaupten, ein Kunstwerk erschaffen zu haben.

Die Modellfotografie ist für mich eine Herausforderung ganz besonderer Art und ich liebe Frankfurt mit seinen Kontrasten. Daraus ist 1999/2000 die Idee entstanden, diese beiden Dinge ästhetisch und einfallsreich zu kombinieren und den Charme sowie die Gegensätze meiner Heimatstadt zu zeigen. Eine Aufgabe, die nicht trivial ist, wenn man die typischen Postkartenmotive beziehungsweise -perspektiven vermeiden will.

Ein weiteres Ziel war, die Modelle nicht einfach ins Bild zu stellen, sondern sie zur Verstärkung der Kontraste und Stimmungen und zur Belebung der Sets zu integrieren. Ganz wichtig war mir, daß die einzelnen Motive durch eine Gemeinsamkeit zu einem zusammenhängenden Ganzen verbunden werden, was durch das schalkhafte Wortspiel des Titels auch dem weniger nachdenklichen Betrachter klar werden sollte.

Die Perspektiven wie auch die Gesamtkomposition wurden schon von mehreren Fotografen und Journalisten sehr gelobt und auch Herr Ammann, der (inzwischen ehemalige) Leiter des Museums für moderne Kunst in Frankfurt hat mir persönlich ein paar nette Zeilen geschrieben.

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Das Schild steht auf einer Mainbrücke von Sachsenhausen nach Frankfurt, also an einer Stelle, wo Frankfurt begann, als "dribbdebach" noch nicht dazu gehörte.
Das Modell in den Frankfurter Wappenfarben. - Und etwas flippig mußte es schon sein, im Kostümchen sprüht man kein Graffity.
Umgeben von nüchterner Architektur und trotz der "kalten" Farbe Blau sitzt das Modell in der schützenden und wärmenden "Hand" der Kunst.
Auch das gibt es in Frankfurt - Armut, Zerfall und Hoffnungslosigkeit, auch wenn im Hintergrund immer Reichtum und Macht erkennbar sein werden.
Verschiebt man die Halbkreise der Skulptur, den linken nach oben und den rechten nach unten, bilden Sie zusammen mit dem Modell ein "$" das Zeichen des Geldes und der Macht.
Auch hier krasse Gegensätze - glitzernder Vordergrund vor nüchternem Schrott.
Der "Schnappschuß-Character" hätte an dieser Stelle zu unrealistisch gewirkt, deshalb ausnahmsweise die Pose für die Kamera.
Der Frühling scheint die Welt aus den Angeln zu heben.                                                                                                                            
Die Frische des Wassers und die Hitze der Stadt wirken nur durch das Modell so stark. Wer hätte nicht Lust, sich ebenfalls unter den Brunnen zu stellen?
Ohne das Modell würde man wohl kaum auf diese Idee kommen.
Das Ganze überschrieben mit der Widmung der Alten Oper "Dem Wahren, Schoenen, Guten".
Die Göttin der Gerechtigkeit sollte immer im Vordergrund stehen und die Politik dominieren.
(Der Justitia-Brunnen vor dem Frankfurter Rathaus "Römer")                                                              
Das Modell bildet auch optisch die Brücke zwischen dem Betrachter und dem Hauptmotiv.
Brunnen bedeutet Wasser, Wasser bedeutet Leben, dagegen erscheint die Obrigkeit klein und unwichtig.                                                              
Klar, daß die schachspielenden Damen in schwarz und weiß gekleidet sind. Auch die Türme im Hintergrund lassen sich mit dem Schachspiel assoziieren.
Das Modell symbolisiert den Herbst, der die Stadt zu dominieren beginnt.                                                              
Da ich diesbezüglich bereits recht häufig gefragt wurde, möchte ich darauf hinweisen, daß ich auch für dieses Foto kein Geld erhalten habe. Die Betreiber der Gaststätte hatten mir nur versprochen, den Kalender zu verkaufen und vor allem ihren Gästen zu präsentieren, d.h. den Kalender und/oder die einzelnen Motive aufzuhängen, um den Bekanntheitsgrad zu erhöhen. Allerdings fühlte man sich an dieses Versprechen nicht mehr gebunden, als das Produkt gedruckt war.


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